Kleine Anekdote #2: Heimlicher Alkohol für Frauen

In den fünfziger Jahren war klar, wohin die Frau gehörte – nachhause. Frauen hatten im Krieg arbeiten müssen, nun brachen neue Zeiten an, und sie sollten zu ihren traditionellen Aufgaben zurückkehren dürfen.
Konsum wurde hochgelobt, Wohlstand gerne gezeigt. Auch die Sicht auf Alkoholkonsum veränderte sich. Man genehmigte sich abends einen Drink, in schicken Bars oder in der Hausbar. Was früher als „Laster der Armen“ galt, wurde nun zur „eleganten Gewohnheit der Reichen“.
Der reichen Männer notabene – weiblicher Alkoholkonsum war nach wie vor ein Problem.

1953 kam in Deutschland das Stärkungsmittel „Frauengold“ auf den Markt, das beruhigend und stimmungsaufhellend wirke. Hauptbestandteil: Alkohol.
Das Produkt wurde jahrelang intensiv beworben, mit schmissigen Werbebotschaften: „Frauengold schafft Wohlbehagen, wohlgemerkt – an allen Tagen!“
Hier ein Beispiel eines Frauengold-Werbespots aus den 50ern

Das Getränk mit 16.5% Volumenprozent Alkohol helfe der Frau, ein gutgelauntes Heimchen zu sein und zu bleiben. Als in den 60er Jahren Frauen als Arbeitskräfte zunehmend wieder gefragt waren, änderten sich die patriarchalischen Werbebotschaften kaum. Auch dem Chef hatte man schliesslich fröhlich zur Seite zu stehen.
Frauengold war kommerziell erfolgreich – es löste vermutlich den Kölnisch-Wasser-Alkoholismus aus dem Ende des19. Jahrhunderts ab. Da Frauen der Zugang zu Alkohol verwehrt wurde, begannen sie als Duftwasser oder Medizin deklarierte alkoholhaltige Tinkturen wie Kölnisch Wasser oder Klosterfrau Melissengeist zu trinken.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Gesellschaft über Alkoholkonsum bestimmt. Männer, die zur Entspannung edle Schnäpse aus der Hausbar tranken? Kein Problem. Den Frauen blieb ja der Gang zur Apotheke…

Ein Kommentar

  1. Tolle Anekdote! Der Werbespot ist ja der Wahnsinn …

    Ueberhaupt eine sehr gelungene Aktion zur Dialogwoche, finde ich. Gratuliere euch!

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